Sonntag, 30. April 2017
Einwohnerversammlung der VG Vallendar mit der Ortsgemeinde Niederwerth

Über 50 Bürgerinnen und Bürger fanden am Mittwoch, dem 21.09.2016 den Weg in das Gasthaus „Zur Rheinschanz“, wo sie im gut besetzten Schänzjes Saal von Ortsbürgermeister Josef Gans und der VG-Beigeordneten Brigitte Heitmann-Weiß sowie den Ortsbeigeordneten willkommen geheißen wurden. Eine schöne Resonanz, die der interessanten Tagesordnung zuzuschreiben war, durch die OB Gans souverän führte. Er entschuldigte zunächst den erkrankten VG-Bürgermeister Fred Pretz, dem beste Genesungswünsche von der Insel übermittelt wurden.

 

Zunächst referierte Diplom-Ingenieurin Annette Weber vom Planungsbüro Sprengnetter und Partner nach § 4 (1) BauGB über die Bebauungspläne „Ortskern Mitte“ und „Ortskern Nord“, die Anfang 2017 in die Offenlage gehen sollen. Die Intention der Planung liege in der Bewahrung der ortstypischen Mischbauweise im von der Gassenstruktur geprägten Ortskern. In Rücksichtnahme auf das im Überschwemmungsgebiet liegende Areal sollen Baugrenzen und Baulinien, Dachformen und Dachhöhen, Farben, Fenster und vor allem Größenordnungen bestimmt werden, die eine Erdgeschosshöhe bei Pegelstand 10,05 m und einer darauf möglichen Gebäudehöhe von 11,50 m vorsehen. Dieser Vorentwurf werde alsbald auf der Homepage der VG Vallendar eingestellt. Damit kommen Ordnung und Planungssicherheit ins alte Dorf.

 

Danach informierte Frau Weber im Zusammenspiel mit Bauamtsleiter Hans Peter Kuhl über das Fortschreibungsverfahren des Flächennutzungsplanes der VGV. Hier seien nun die Ortsgemeinden gehört worden, die nun Anregungen und Bedenken, aber auch Wünsche haben äußern dürfen. Für Niederwerth habe man bis zum Jahr 2030 bei einem Bedarfswert von 2,2 ha unter Abzug eines Potentialwertes von 3,1 ha einen Schwellenwert von – 0,9 ha ermittelt, was bedeuten würde, dass es in Niederwerth noch deutlich genug Baufläche gebe. Die Gremien der OG Niederwerth haben nun unter Ausschluss von möglichen Bauflächen im hinteren Bereich der Baugebiete „Stillshöhe“ in den FNP großzügig arrondiert. Mit diesem Vorschlag will die Ortsgemeinde in das Beschluss- und Erörterungsverfahren des VG-Rates einsteigen, das in den nächsten Monaten erfolgen wird. Ebenfalls sind die Sonderflächen des Bundesamtes für Gewässerkunde einbezogen worden, da das BfG bis spätestens 2021 die Insel komplett verlassen werde. Auch die Stell- und Parkflächen im Außenbereich sind im Plan aufgenommen worden. Mit dieser Ordnung seiner Flächen sichert sich Niederwerth seine innere Entwicklung auf lange Sicht.

 

In kontroverser Diskussion wurde schließlich die  neue Verkehrsführung der B 42 behandelt, sie tangiert wesentlich die Interessen der Inselgemeinde. Bauamtsleiter Kuhl präsentierte in großer Transparenz und Klarheit die neuralgischen Eckpunkte der neuen Struktur: Kreiselnutzung, Wendekurve, Einfädelspur, neue Einfahrt im Nordviadukt im Einbahnverfahren, einheitliche Abfahrt über das Südviadukt ohne Begegnungs-konkurrenz, barrierefreie Fußgängerführung, neue Busspur, Ampelsequenzen, Radwegeführung, Park-Gestaltung des Willy-Brandt-Ufers usw. Der Landesbetrieb Mobilität (LBM) als Baulastträger verspreche sich mehr Durchlässigkeit und Fließverkehr, weniger Rückstaus und Konkurrenzsituationen. Tatsächlich konnte man schon während der noch anhaltenden Bau- und Umstellungsphase eine Entlastung beobachten. Die Bürgerinnen und Bürger gaben reichlich Rückmeldung: Was soll die Verkehrsinsel an der Westerwaldstraße, wie verhält es sich mit der Sicherheit für Fußgänger, welche Regelung gibt es für Radfahrer, man möge den Wenderadius erweitern, Besonderheiten für Rettungsfahrzeuge seien einzuplanen. Alles wird an den LBM rückgemeldet, um Optimierungen zu erwirken. OB Gans informierte über den abschließenden Erörterungstermin am 18.10.2016 hinsichtlich der hochwasserfreien Anbindung der K 82 an die B 42. Der Plan werde dann – wenn keine neuen Einwände formuliert werden – Ende 2016 festgestellt, danach ist es Sache des Kreises, auf der Grundlage der Drittelfinanzierung (Bahn, Land, Bund) die entsprechenden Finanztitel in die nächsten Haushalte einzubringen. Der nächste Meilenstein in der Dorfentwicklung Niederwerth liegt damit greifbar nahe.

 

Zum guten Schluss informierte der Bürgermeister über die nächste Planungsphase des Wiederkehrenden Beitrages (WKB) für Straßensanierung, diese beginne 2017 und laufe bis einschließlich 2021. Der Gemeinderat beabsichtige, nach der nun in 2016 einsetzenden Planung für die Schützenstraße diese in 2017 ausbaufertig zu planen und in 2018 zu sanieren, dann in 2019 die Planung der Hochstraße (Süd) in Angriff zu nehmen und sie in 2020/21 auszubauen. Damit geht die Ortsgemeinde konsequent ihren Weg der Dorferneuerung weiter: Licht, Luft und Durchlässigkeit kommt mit den Sanierungen ins Dorf, die Verkehrsbezüge werden freundlicher und flexibler, Wohn- und Lebenswert steigen in Niederwerth. Dies sind weitere erhebliche Anstrengungen auf der solidarischen Basis des WKB für die ganze Inselbevölkerung.

 

OB Sepp Gans berichtete schlussendlich über die Zukunft des alten Raiffeisengeländes. Der Grunderwerb ist mittlerweile kreditfinanziert getätigt und sogar erweitert, sodass nun ca. 2000 qm zur Überplanung bereit stehen. In der Überlegung ist dann der Bau eines Mehrgenerationenhauses, das mehrere Bedarfe abdecken soll: altersgerechtes Wohnen mit ambulantem Pflegeangebot, Wohnen für junge Familien, Barrierefreiheit, öffentliche Einrichtungen – und das alles in der Dorfmitte, angebunden an Hoch- und Brückenstraße, also so gut wie hochwasserfrei. Mit dem Erwerb wird zunächst die Niederlegung der ganzen Bausubstanz in 2017 verfolgt, dann müsse eine Konzeption und starke Partner gefunden werden, mit denen das Projekt unter Einschluss von Fördermitteln realisiert werden kann. Erste Gespräche mit Sozialministerin Sabine Bätzing-Lichtenthaler in Mainz sowie mit Uwe Berens, Geschäftsführer von Projekt3, haben stattgefunden. Demnächst wollen die Ratsmitglieder die Villa Ausonius in Oberfell besuchen. Ein starkes Stück Zukunft für die Ortsgemeinde Niederwerth.

 

Abschließend diskutierten die Bürgerinnen und Bürger der Inselgemeinde eifrig, regten Zukunftsideen für Grundschule und Kiga an, sorgten sich um ihre Wirtschaftswege, monierten Sauberkeit auf der Insel, mahnten Maßnahmen gegen Raserei an, thematisierten Lärmschutz auf der Bahntrasse, forderten kleingärtnerische Oasen. Bürgermeister Sepp Gans konnte nach 2 ½  Stunden mit einem Dank an die Diplom-Ingenieurin Weber und Bauamtsleiter Kuhl und einem Dank für alle konstruktiven Beiträge die höchst informative Einwohnerversammlung schließen.

 

Ortsbürgermeister Sepp Gans und VG-Beigeordnete Brigitte Heitmann-Weiß führten durch die Tagesordnung.

 

 

 

Gespannte Aufmerksamkeit in Schänzjes Saal – über 50 Bürger/innen folgten der Einladung

 
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